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Interview - Patentingenieur bei Audi

von Matthias Scheck
Matthias Scheck

Ich habe den ehemaligen PI-Studierenden Thomas Reichert besucht. Im Interview erzählt er von seiner aktuellen Tätigkeit bei Audi und wie er seine Studienzeit erlebt hat.

Ich habe den ehemaligen PI-Studierenden Thomas Reichert der mittlerweile bei Audi beschäftigt ist besucht. Im Interview erzählt er von seiner aktuellen Tätigkeit und wie er seine Studienzeit erlebt hat.

Herr Reichert, Sie haben Ihren Abschluss im Studiengang Patentingenieurwesen an der Hochschule Amberg Weiden im August 2008 gemacht. Wie sind Sie auf den Studiengang gekommen und wieso haben Sie sich für eben diesen entschieden?

Als ich zum Wintersemester 2004 mit dem Studium begonnen habe, war die Hochschule Amberg‑Weiden (damals Fachhochschule Amberg‑Weiden) zwar noch immer ein sehr junges Mitglied der bayerischen Hochschullandschaft, genoss aufgrund der modernen Ausstattung und der familiären Atmosphäre aber bereits einen hervorragenden Ruf.

Am Studiengang Patentingenieurwesen im Speziellen hat mich der interdisziplinäre Ansatz gereizt und die guten Jobaussichten nach dem Abschluss taten ihr Übriges. 

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrer Studienzeit?

An meine Studienzeit denke ich sehr gerne zurück, da das Lernen in einer entspannten Atmosphäre stattgefunden hat. Die Arbeit in kleinen Gruppen war eine sehr gute Vorbereitung auf das spätere Berufsleben.

Wie fanden Sie das familiäre Umfeld mit relativ wenig Studierenden und kleinen Semester-gruppen an der OTH (Ostbayerische Technische Hochschule)?

Hier sehe ich einen der größten Vorteile der OTH und insbesondere des Studiengangs Patentingenieurwesen. Durch die überschaubare Anzahl der Studierenden bilden sich sehr schnell Freundschaften, die oftmals auch über den Abschluss hinaus bestehen bleiben. So hat man bereits beim Start ins Berufsleben ein kleines Netzwerk zur Verfügung.

Welche Fächer fanden Sie während Ihres Studiums am interessantesten und welche sehen Sie im Rückblick als besonders hilfreich für Ihren weiteren Berufsweg an?

Aus technischer Sicht bevorzuge ich damals wie heute die mechanischen Themen. Dementsprechend waren Fächer wie technische Mechanik, Konstruktion oder Werkstofftechnik für mich sehr interessant. Aber auch in den rechtlichen Fächern erhält man eine sehr fundierte Ausbildung, die man teilweise sogar erst während der späteren Arbeit wirklich zu schätzen lernt. Der Einstieg in die Patentwelt gelingt dadurch spürbar leichter.

Zunächst haben Sie ihr Praxissemester, sowie Ihre Abschlussarbeit bei der AUDI AG absolviert. Wie sind Sie in einen solchen Weltkonzern gekommen?

Das war sehr stark vom Zufall geprägt. Zur damaligen Zeit war der Grundgedanke des Studiengangs Patentingenieurwesen relativ unbekannt, weshalb ich mit einer Initiativbewerbung erst einmal nicht berücksichtigt wurde. Im richtigen Moment erfuhr ich dann, dass zwischen der Hochschule und der Patentabteilung AUDI AG ein Kontakt bestand und als ich meine Bewerbung direkt an die Patentabteilung gerichtet habe, war das Praxissemester nach einem kurzen Bewerbungsgespräch schnell unter Dach und Fach.

Die spätere Abschlussarbeit konnte anschließend durch den bestehenden Kontakt bereits während des Praktikums angebahnt werden.

Was zählt zu Ihren Aufgaben als Patentingenieur?

Wie bereits erwähnt war ich von Beginn an selbstverantwortlich für ein eigenes Themengebiet, also von der Betreuung der entwickelnden Fachbereiche über die Erfindungsmeldung bis zur Erteilung. Auch Clearingprozesse zusammen mit der Beschaffung beziehungsweise der Angriff auf fremde Schutzrechte im Rahmen von Einsprüchen gehörte zu meinen Aufgaben. In der Industrie sind insbesondere auch vertiefte Kenntnisse auf dem Gebiet des Arbeitnehmererfinderrechts gefragt.

Wo sehen Sie die Einsatzmöglichkeiten eines Patentingenieurs?

Ganz klassisch arbeitet ein Patentingenieur als Bindeglied zwischen Technikern auf der einen und Patentanwälten auf der anderen Seite. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass hier Welten aufeinander prallen und die Interessen des jeweils anderen nicht immer direkt nachzuvollziehen sind. Der Patentingenieur agiert hier als Vermittler beziehungsweise Dolmetscher, da er sich in beide Seiten hineindenken kann. Der Patententstehungsprozess läuft damit, meiner Meinung nach, viel effizienter ab.

Je nach Interesse und Eignung ist aber auch eine Sachbearbeitertätigkeit in Kanzleien oder Industrie, vergleichbar mit einem Patentanwalt, im Einzelfall möglich. Auch das Innovationsmanagement steht Patentingenieuren offen.

Viele Studierende stehen vor der Frage, ob sie Ihre Zukunft in einer Kanzlei sehen oder in der Industrie. Können Sie den Studierenden ein paar wertvolle Tipps geben, um ihnen ihre Entscheidung zu erleichtern?

Jeder sollte sich vor Berufseintritt die Frage stellen, was er sich von seiner späteren Tätigkeit im Patentwesen erwartet. Vorher gesammelte Erfahrungen in Praktika sind hier sehr wertvoll.

In einer Industriepatentabteilung ist man in der Regel sehr nah an den Produkten, den Erfindern und den Entscheidern. Viele Probleme werden in interdisziplinären Teams gelöst und die Patentarbeit ist eher managementlastig - vor allem bei größeren Unternehmen. Hier hat man auch häufig die Verantwortung, strategische Entscheidungen zu treffen. Das Arbeitnehmererfinderrecht spielt im Arbeitsalltag eine wichtige Rolle.

Die Arbeit in der Kanzlei konzentriert sich dagegen eher auf die Aktenbearbeitung für den Mandanten, also das Verteidigen der Interessen des Mandanten vor den Ämtern. Die Vielfalt an technischen Gegenständen ist viel größer, so dass man sich schnell in neue Gebiete hineindenken muss. Gleichzeitig ist der Kontakt mit den Erfindern nicht so intensiv und auch die Rechtsfragen in Zusammenhang mit Arbeitnehmererfindungen tauchen seltener auf.

Welche allgemeinen Ratschläge können Sie den zukünftigen Patentingenieurabsolventen auf den Weg geben?

Man sollte sich bereits früh im Studium darüber klar werden, in welche Richtung es später gehen soll, also wo die eigenen Stärken, Schwächen und Vorlieben liegen. Will man eher mit den Akten arbeiten oder liegt einem das Managen mehr. Hierfür bieten sich die angebotenen Exkursionen und Gastvorträge, sowie selbstverständlich auch die Praktika an. Durch die entstehenden Kontakte lässt sich meist sehr gut eine passende Stelle zum Einstieg finden.

Vielen Dank für das informative Interview und für die Zukunft noch alles Gute.

Ich habe den ehemaligen PI-Studierenden Thomas Reichert der mittlerweile bei Audi beschäftigt ist besucht. Im Interview erzählt er von seiner aktuellen Tätigkeit und wie er seine Studienzeit erlebt hat.

Herr Reichert, Sie haben Ihren Abschluss im Studiengang Patentingenieurwesen an der Hochschule Amberg Weiden im August 2008 gemacht. Wie sind Sie auf den Studiengang gekommen und wieso haben Sie sich für eben diesen entschieden?

Als ich zum Wintersemester 2004 mit dem Studium begonnen habe, war die Hochschule Amberg‑Weiden (damals Fachhochschule Amberg‑Weiden) zwar noch immer ein sehr junges Mitglied der bayerischen Hochschullandschaft, genoss aufgrund der modernen Ausstattung und der familiären Atmosphäre aber bereits einen hervorragenden Ruf.

Am Studiengang Patentingenieurwesen im Speziellen hat mich der interdisziplinäre Ansatz gereizt und die guten Jobaussichten nach dem Abschluss taten ihr Übriges. 

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrer Studienzeit?

An meine Studienzeit denke ich sehr gerne zurück, da das Lernen in einer entspannten Atmosphäre stattgefunden hat. Die Arbeit in kleinen Gruppen war eine sehr gute Vorbereitung auf das spätere Berufsleben.

Wie fanden Sie das familiäre Umfeld mit relativ wenig Studierenden und kleinen Semester-gruppen an der OTH (Ostbayerische Technische Hochschule)?

Hier sehe ich einen der größten Vorteile der OTH und insbesondere des Studiengangs Patentingenieurwesen. Durch die überschaubare Anzahl der Studierenden bilden sich sehr schnell Freundschaften, die oftmals auch über den Abschluss hinaus bestehen bleiben. So hat man bereits beim Start ins Berufsleben ein kleines Netzwerk zur Verfügung.

Welche Fächer fanden Sie während Ihres Studiums am interessantesten und welche sehen Sie im Rückblick als besonders hilfreich für Ihren weiteren Berufsweg an?

Aus technischer Sicht bevorzuge ich damals wie heute die mechanischen Themen. Dementsprechend waren Fächer wie technische Mechanik, Konstruktion oder Werkstofftechnik für mich sehr interessant. Aber auch in den rechtlichen Fächern erhält man eine sehr fundierte Ausbildung, die man teilweise sogar erst während der späteren Arbeit wirklich zu schätzen lernt. Der Einstieg in die Patentwelt gelingt dadurch spürbar leichter.

Zunächst haben Sie ihr Praxissemester, sowie Ihre Abschlussarbeit bei der AUDI AG absolviert. Wie sind Sie in einen solchen Weltkonzern gekommen?

Das war sehr stark vom Zufall geprägt. Zur damaligen Zeit war der Grundgedanke des Studiengangs Patentingenieurwesen relativ unbekannt, weshalb ich mit einer Initiativbewerbung erst einmal nicht berücksichtigt wurde. Im richtigen Moment erfuhr ich dann, dass zwischen der Hochschule und der Patentabteilung AUDI AG ein Kontakt bestand und als ich meine Bewerbung direkt an die Patentabteilung gerichtet habe, war das Praxissemester nach einem kurzen Bewerbungsgespräch schnell unter Dach und Fach.

Die spätere Abschlussarbeit konnte anschließend durch den bestehenden Kontakt bereits während des Praktikums angebahnt werden.

Was zählt zu Ihren Aufgaben als Patentingenieur?

Wie bereits erwähnt war ich von Beginn an selbstverantwortlich für ein eigenes Themengebiet, also von der Betreuung der entwickelnden Fachbereiche über die Erfindungsmeldung bis zur Erteilung. Auch Clearingprozesse zusammen mit der Beschaffung beziehungsweise der Angriff auf fremde Schutzrechte im Rahmen von Einsprüchen gehörte zu meinen Aufgaben. In der Industrie sind insbesondere auch vertiefte Kenntnisse auf dem Gebiet des Arbeitnehmererfinderrechts gefragt.

Wo sehen Sie die Einsatzmöglichkeiten eines Patentingenieurs?

Ganz klassisch arbeitet ein Patentingenieur als Bindeglied zwischen Technikern auf der einen und Patentanwälten auf der anderen Seite. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass hier Welten aufeinander prallen und die Interessen des jeweils anderen nicht immer direkt nachzuvollziehen sind. Der Patentingenieur agiert hier als Vermittler beziehungsweise Dolmetscher, da er sich in beide Seiten hineindenken kann. Der Patententstehungsprozess läuft damit, meiner Meinung nach, viel effizienter ab.

Je nach Interesse und Eignung ist aber auch eine Sachbearbeitertätigkeit in Kanzleien oder Industrie, vergleichbar mit einem Patentanwalt, im Einzelfall möglich. Auch das Innovationsmanagement steht Patentingenieuren offen.

Viele Studierende stehen vor der Frage, ob sie Ihre Zukunft in einer Kanzlei sehen oder in der Industrie. Können Sie den Studierenden ein paar wertvolle Tipps geben, um ihnen ihre Entscheidung zu erleichtern?

Jeder sollte sich vor Berufseintritt die Frage stellen, was er sich von seiner späteren Tätigkeit im Patentwesen erwartet. Vorher gesammelte Erfahrungen in Praktika sind hier sehr wertvoll.

In einer Industriepatentabteilung ist man in der Regel sehr nah an den Produkten, den Erfindern und den Entscheidern. Viele Probleme werden in interdisziplinären Teams gelöst und die Patentarbeit ist eher managementlastig - vor allem bei größeren Unternehmen. Hier hat man auch häufig die Verantwortung, strategische Entscheidungen zu treffen. Das Arbeitnehmererfinderrecht spielt im Arbeitsalltag eine wichtige Rolle.

Die Arbeit in der Kanzlei konzentriert sich dagegen eher auf die Aktenbearbeitung für den Mandanten, also das Verteidigen der Interessen des Mandanten vor den Ämtern. Die Vielfalt an technischen Gegenständen ist viel größer, so dass man sich schnell in neue Gebiete hineindenken muss. Gleichzeitig ist der Kontakt mit den Erfindern nicht so intensiv und auch die Rechtsfragen in Zusammenhang mit Arbeitnehmererfindungen tauchen seltener auf.

Welche allgemeinen Ratschläge können Sie den zukünftigen Patentingenieurabsolventen auf den Weg geben?

Man sollte sich bereits früh im Studium darüber klar werden, in welche Richtung es später gehen soll, also wo die eigenen Stärken, Schwächen und Vorlieben liegen. Will man eher mit den Akten arbeiten oder liegt einem das Managen mehr. Hierfür bieten sich die angebotenen Exkursionen und Gastvorträge, sowie selbstverständlich auch die Praktika an. Durch die entstehenden Kontakte lässt sich meist sehr gut eine passende Stelle zum Einstieg finden.

Vielen Dank für das informative Interview und für die Zukunft noch alles Gute.


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Der PI-Studis Blog ist eine Initiative von Studierenden des Studiengangs Patentingenieurwesen an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden.


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